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Letzte Aktualisierung:
28.02.2010




Nach dem Amoklauf von Winnenden soll ein schärferes Waffenrecht - und das Verbot von Paintballspielen kommen. Als ob das helfen würde. Derweil werden vor den wirklichen Gefahren - wie z.B. antidemokratischen religiösen Strukturen - die Augen verschlossen !


Paintball-Spiele als Sündenbock

Nein, ich bin kein Paintball-Spieler. Und ich mag auch keine Computerspiele, in denen Ego-Shooter "Punkte sammeln" indem sie andere Menschen abknallen. Ich halte es generell für pervers, zur Belustigung Menschen umzubringen. Aber wir sollten nicht moralisch überheblich werden.

Wo ist denn bitteschön die Grenze ?   Kinder spielen mit großem Vergnügen "Cowboy und Indianer" oder "Räuber und Gendarm". Wie auch immer man solche Spiele nennt, die in modernem Gewande auch andere Namen tragen, sie sind doch eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, wozu auch "Kriegsspiele" gehören.

Was ist eigentlich perverser ?

Der "Kriegsspieler" am PC, oder ein sogenannter "Verteidigungs-"minister, (Peter Struck von der SPD war es gewesen) der urplötzlich Verteidigung so definiert hat, dass Afghanistan dazugehört.

Die Frage ist absichtlich provokant und mir ist bewusst, dass es gute Gründe für internationales Engagement einschließlich des Einsatzes der Bundeswehr gibt.

Wenn es um Menschenrettung durch Waffengewalt vor Terror und Verfolgung geht -warum sind wir dann nicht längst in Darfur, sondern schauen seit Jahren zu ?   Müssen wir überhaupt immer mit von der Partie sein ?

Darüber wünsche ich mir eine offene Diskussion in der Gesellschaft und im Parlament.

Bezogen auf das Beispiel Paintball-Spiele wird aber doch eine Schieflage deutlich. Auf der einen Seite Spieler, die sich mit Kugeln aus gefärbtem Zucker Farbkleckse auf die Klamotten schießen, die als "perverse Kriegsspieler" gebrandmarkt werden. Dies sei gewaltverherrlichend und zeige die Normalität von Waffeneinsatz zur Konfliktbewältigung.

Auf der anderen Seite hat dieselbe Regierung nichts dagegen, wenn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Tag für Tag zahllose Unterhaltungsfilme laufen, in denen am laufenden Band Menschen zusammengeschlagen oder ermordet werden - zur Unterhaltung wohlgemerkt.

Und das Thema kann gerne noch erweitert werden.

Ich möchte nicht den 300.000sten Film sehen, in dem die Deutsche Geschichte auf die Zeit von 1933-1945 reduziert wird. Was würden wohl die US-Amerikaner sagen, wenn wird ständig Filme produzieren, in denen die Vertreibung und Ermordung von mehreren Millionen Indianern über mehrere Jahrhunderte thematisiert wird.

Und die britische Kolonialherren in Indien ?   Und die ach so friedensvolle französische Geschichte in der ein Imperialist wie Napoleon heute noch als "Großer Franzose" verklärt wird ?  Der Typ hat übrigens den Ausspruch getan "Ein Mann wie ich pfeift auf das Leben von einer Millionen Franzosen". Hätte auch von Hitler über die Deutschen stammen können oder von Stalin über die Russen. Allerdings sind letztere beide doch eine völlig anderen Preisklasse, was staatsinternen Terror betrifft.

Überhaupt. Lenin, Stalin und Konsorten haben weit mehr als 21 Millionen Menschen verhungern oder ermorden lassen. Wann arbeitet der russische Staat eigentlich mal seine Geschichte auf?  Oder wollen wir mal über die Inquisition, die katholische Kirche im Mittelalter oder die Eroberung Südamerikas durch die spanisch-portugiesischen Konquistadoren reden ?

Die LINKE könnte doch mal über die Verschleppten, Gefolterten oder Ermordeten in der DDR reden, über ihre Beteiligung am Angriffskrieg gegen Afghanistan oder ihr Mitmachen am Einmarsch in der Tschechoslowakei 1968, als die Demokratiebewegung niedergeschlagen wurde. Heute spielen sie die Besserwisser, die Ober-Moralisierer, die dringend den Kapitalismus abschaffen wollen. Wir sollten den Kommunismus abschaffen. Wir sollten die Jugend darüber aufklären, dass die LINKE gar keine neue Partei ist, sondern die alte Diktatur-Partei SED, die sich wirklich nur umbenannt hat. Wer dauernd "Anti-Faschismus" brüllt, sollte auch an die Verbrechen des Kommunismus denken - z.B. mal Alexander Solschenizyn lesen: "Archipel Gulag".

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen !

Doch zurück zu unseren Allerheiligen in der Bundesregierung.

Jetzt die paar Paintball-Spieler zu dämonisieren, ist ein Armutszeugnis für unsere Regierung !   Bundesregierung, hör auf Sündenböcke zu schaffen !  Auch die normalen Jäger sind nicht unser Problem !

Mein Rat an die Bundesregierung und die moralischen Besserwisser:

  • Räumt erstmal das Fernsehen auf von ständig gewaltverherrlichenden Filmen, welche unter dem Deckmantel der Unterhaltung laufen.
  • Werdet endlich Eurer Verantwortung für die deutschen Soldaten und Soldatinnen gerecht, welche immer leichtfertiger in immer mehr Einsätze geschickt werden.
  • Lest mal das Buch der Herausgeberin Alice Schwarzer (EMMA): 
          "Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz"
  • Kümmert Euch mal um die Musikszene, in der viel zu oft unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit  Drogenkonsum und Gewalt verherrlicht wird


Gunnar Ott

März/April 2009








 
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